Ameland

Insel

Nur noch 8 km vom Festland entfernt erstreckt sich direkt vor der friesischen Küste die lange und schmale Insel Ameland. Bei klarem Wetter sind die Kirchentürme von den auf der Insel liegenden Dörfern sowie der auffällige rotweiß gestreifte Leuchtturm bereits von der Abfahrtsstelle der Fähre zu sehen. Hinter Wattendeich (Waddendijk) liegen vier Dörfer in einer nahezu kerzengeraden Linie nah aneinander. Drei von diesen vier Dörfern stehen unter Denkmalschutz. überall auf den kleinen mit Kopfstein gepflasterten Straßen herrscht dörfliche Idylle. Viele von den schön restaurierten so genannten „Commandeurhuizen“ (wörtlich: Kommandeurhäuser) stammen aus dem 17. und 18. Jahrhundert, der eigentlichen Blütezeit der Handelsseefahrt und des Walfanges, die seinerzeit zum würdigen Wohlstand der Insel führten. Alles hier erinnert Sie an frühere Zeiten, als Sie in Ihren Kinderjahren wegen einer Schramme am Knie mit warmen Worten und einem Glas Milch getröstet wurden.

Die der Größe nach mittlere von den fünf niederläändischen Friesischen Inseln ist in ihrem westlichen Teil 4 km breit, während hin zum Osten die Nordsee und das Wattenmeer immer dichter aneinander rücken. Entlang der Nordküste liegt ein 25 km langer Strand. Es gibt hier zahlreiche speziell markierte Wanderwege und 90 km an Fahrradwegen, diese laufen durch die breiten Dünenreihen und Wälder und reichen bis in die entlegensten Winkel der Insel.

Auf Ameland kommen ungefähr vierzig Prozent von Pflanzenarten, die es in den Niederlanden überhaupt gibt, vierzehn von denen ganz seltsame Pflanzenarten sind. Es brüten hier etwa fünfzig Vogelarten. Darüber hinaus ist Ameland die einzige Friesische Insel, auf der Rehe vorkommen. Während des Zweiten Weltkrieges kam ein Rehbock auf die Insel angeschwommen. Bald danach haben ihm Ameländer eine Ricke besorgt. Gegenwärtig umfasst die Population rund einhundert Tiere. Man kann sie im unbewohnten östlichen Teil der Insel namens Oerd finden. Das ist eine ganz alte Dünenlandschaft, die zusammen mit der Sandfläche De Hôn ein einzigartiges Naturgebiet bildet.

Ameland, das die Inselbewohner selbst ‘de ouwe Polle’ (der alte Fleck/Klecks) nennen, blickt auf eine reiche Geschichte zurück. Mitte des 8. Jahrhunderts sollten sich hier die ersten Insulaner bereits niedergelassen haben. Laut einer Sage ist Ameland das Land Forsetis’, des Gottes der Gerechtigkeit. Er sollte hier das friesische Gesetzbuch zwölf Juristen vordiktiert haben. Seit 1424 war die Insel im Besitz der Familie Jelmera van Cammingha. Als der männliche Teil dieser Familie in 1681 ausstarb, wurde die Insel dem friesischen Statthalter namens Johan Willem Friso Prins van Oranje übergeben. Seitdem ist die Insel im Besitz des Hauses Van Oranje. Königin Beatrix trägt deswegen immer noch den Titel ‘Erfen Vrijheer van Ameland’ ( also Erbe des Herrschers von Ameland). Nach dem Ende des Goldenen Jahrhunderts und der Epoche der Walfänger begann eine große Landflucht. Dank dem Aufkommen von Tourismus nach dem Zweiten Weltkrieg geht es der Insel gegenwärtig in wirtschaftlicher Hinsicht sehr gut.

 
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